Sie sind hier: Startseite > Bereiche > Klinikbereich > Diätetik & Ernährung
Diätetik & Ernährung
„Der Weg zur Gesundheit führt nicht durch die Apotheke,
sondern durch die Küche“ ... Pfarrer Sebastian Kneipp
Ernährungsrelevante Krankheiten
Molkereiprodukte als Gewichtsmanager
Neuen Daten zufolge sollen Molkereiprodukte Übergewicht und auch das Metabolische Syndrom vorbeugen. Ist das weiße Gold in aller Munde ein simpler Präventionsschritt?
Milch genießt ein gesundes Image aufgrund ihrer hohen Gehalte an hochwertigem Eiweiß, Vitamin B2, Vitamin B12 und Kalzium. Für die Osteoporoseprävention ist Milchkonsum ein Klassiker. Doch sie kann noch mehr - auch vor Übergewicht und dem metabolischem Syndrom soll Milch wegen des Kalziums schützen. Das zeigen immer mehr Studien, wenngleich die Daten dazu noch nicht ganz einheitlich sind.
"Anti-Obesity-Effekt"
Über die Rolle von Kalzium im Gewichtsmanagement wird bereits seit den 1970er Jahren geforscht. Seit dem häufen sich epidemiologische, experimentelle und klinische Studien, die zeigen, dass mit zunehmender Kalziumaufnahme, der Körperfettanteil sinkt. Neuere Forschungsarbeiten prüfen nun, ob Milch und Milchprodukte zur Prävention von Übergewicht, Adipositas oder gar dem metabolischen Syndrom taugen.
Kalzium verhindert Fetteinlagerung
Versuche mit Fettzellen von Mäusen und Menschen zeigten folgendes: Ist die Kalziumkonzentration in den Zellen hoch, so wird die Fetteinlagerung gehemmt. Umgekehrt stimuliert eine niedrige Kalziumaufnahme die Zellen, Fett zu speichern.
Außerdem kann Kalzium Nahrungsfett im Magen-Darm-Trakt zu Kalziumseifen binden. Dieser Hypothese folgend würde eine kalziumreiche Ernährung die Aufnahme der Fettsäuren durch Komplexbildung einschränken und damit auch die Fettausscheidung erhöhen. Das Ausmaß dieser Wirkung wird von Experten allerdings als gering eingestuft. Insgesamt ist dennoch das Risiko für Adipositas bei Personen mit niedriger Kalziumaufnahme höher als für Personen mit ausreichender Kalziumzufuhr.
Beobachteter Effekt: weniger Bauchfett
Während auf Zellebene noch nicht völlig geklärt ist, wie Kalzium tatsächlich das „Fett zum Schmelzen" bringt, weisen Beobachtungsstudien z. T. recht gute Zusammenhänge auf. In einigen Interventionsstudien führte der gesteigerte Milchkonsum zu einer Reduktion des Körpergewichts und -fetts. Positiv überraschend war dabei, dass vor allem das Bauchfett zurückging. Denn gerade das Fett um die Leibesmitte ist gesundheitsgefährdend. Darauf könnte auch die wünschenswerte präventive Wirkung gegen das metabolische Syndrom gründen.
Erst kürzlich wurde eine britische Langzeitstudie vorgestellt, bei der dieser Effekt beobachtet wurde. Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren wurden bei 2400 Männern im Alter von 45 bis 59 Jahren gesundheitsrelevante Parameter bei regelmäßigen medizinischen Untersuchungen und die Ernährungsgewohnheiten mittels Fragebogen erhoben. So wurden Blutdruck, Blutfett- und Blutzuckerwerte, Insulinspiegel und der Body Mass Index (BMI) erfasst. Das Ergebnis: Die Männer, die täglich mindestens 0,5 L Milch tranken oder entsprechend Milchprodukte verzehrten, hatten ein um mehr als die Hälfte geringeres Risiko für das metabolische Syndrom.
"Das Ganze ist mehr als die Summe aller Einzelteile"
Nun könnte man glauben, mit Kalziumsupplementen wäre der selbe Effekt ebenso erzielt wie mit Milch, Molke, Joghurt & Co. Doch einmal mehr bestätigt sich der „Matrixeffekt". Denn die Gabe von Kalzium alleine zeigt eine deutlich geringere Wirkung als Molkereiprodukte. Das ist auf zusätzlich wirksame bioaktive Substanzen in der Milch zurückzuführen. Vor allem das Molkenprotein und die konjugierte Linolsäure werden diskutiert.
Molkenprotein greift in den Fettstoffwechsel ein: Es blockiert die ACE-Aktivität (Angiotension-Converting-Enzym), Angiotensin I wird damit nicht in Angiotensin II umgewandelt. Dadurch kommt es auch nicht zur Ausschüttung der Fettsäuresynthase, dem Schlüsselenzym bei der Fettbildung. Die Folge: Weniger Fett wird in die Zellen eingelagert.
Konjugierte Linolsäure
In Studien mit Zellen und Tieren bewirkte die konjugierte Linolsäure (CLA) eine geringere Fetteinlagerung in die Fettzellen. Die Wirkung ist von der Dosis, der Verabreichungsdauer und der Tierart abhängig. Beim Menschen war dieser Effekt weniger ausgeprägt als bei Tieren. Bis dato gibt es noch zu wenig Studien, um genaue Aussagen über einen eventuellen schlank machenden Effekt der CLA tätigen zu können. CLA-Supplemente könnten zwar die Fettmasse reduzieren, verbessern aber nicht das Fettprofil. Wissenschafter zweifeln an den positiven Effekten der CLA, auch deswegen, weil eine hohe Aufnahme zu unerwünschten Nebeneffekten wie Fettleber oder Insulinresistenz führen kann.
Fazit
Eindeutig sind die Ergebnisse der aktuellen Forschung noch nicht. Dennoch deutet einiges daraufhin, dass eine kalziumreiche Ernährung mit vielen Milchprodukten bei der Prävention von Übergewicht und auch bei der Gewichtsreduktion hilfreich sein kann. Eine Portion Milch oder Milchprodukt am Tag leitest davon abgesehen einen wertvollen Beitrag zur Versorgung mit Eiweiß, Vitamin B2 und B12 und Kalzium. Und für die Osteoporoseprävention sind Molkereiprodukte sowieso ein Eckpfeiler.
Literatur
Sommer J, Rust P: Der „Anti-Obesity-Effekt" - Über die mögliche Bedeutung von Milch und Milchprodukten in der Prävention und Therapie von Adipositas. ernährung/nutrition 31 (9): 371-374 (2007).
Zemel MB: The role of dairy foods in weight management. J Am Coll Nutr 24: 537S-546S (2005).
Elwood PC, Pickering JE, Fehily AM: Milk and dairy consumption, diabetes and the metabolic syndrome: the Caerphilly prospective study. J Epidemiol Community Health 61 (8): 695-698 (2007).
Flechtner-Mors M: Molke: Protein+Cacium=Gewichtsabnahme. Ärztemagazin Phoenix Ernährung&Lebensqualität 3: 12-13 (2007).
Quelle: Newsletter von www.forum-ernaehrung.at